I Capuleti e i Montecchi ist Vincenzo Bellinis Oper über die Capulets und Montagues, die verfeindeten Familien der Geschichte von Romeo und Julia. Sie wurde am 11. März 1830 am Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt, auf ein Libretto von Felice Romani. Das Werk hat eine Besonderheit: Die Partie des Romeo ist für Mezzosopran geschrieben, nach der Tradition der Hosenrollen des Belcanto. Es ist eine lyrische Tragödie in zwei Akten.
Erster Akt. In Verona stehen sich in der Fehde von Guelfen und Ghibellinen die Familien der Capulets und der Montagues gegenüber. Capellio, das Oberhaupt der Capulets, weist das Friedensangebot zurück, das Romeo, der Anführer der Montagues, überbringt; Romeo hat überdies Capellios Sohn im Kampf getötet. Capellio beschließt, seine Tochter Giulietta unverzüglich mit dem Krieger Tebaldo zu vermählen. Doch Giulietta liebt Romeo im Geheimen. Als er ihr vorschlägt, mit ihm zu fliehen, lehnt sie ab, zerrissen zwischen ihrer Liebe und der Pflicht gegenüber dem Vater. Romeo und seine Anhänger dringen während des Hochzeitsfestes ein, und die Feier bricht im Tumult ab.
Zweiter Akt. Um der Heirat zu entgehen, willigt Giulietta in den Plan des Arztes Lorenzo ein: einen Trank zu nehmen, der sie tot erscheinen lässt. Romeo, der von der List nichts weiß, fordert Tebaldo zum Duell; der Kampf bricht ab, als Giuliettas Trauerzug vorüberzieht. Am Grab nimmt Romeo Abschied von der Geliebten und schluckt Gift. Giulietta erwacht und findet den sterbenden Romeo; nach einem letzten Zwiegespräch stirbt er, und sie sinkt leblos über seinem Körper zusammen, vor den Augen der entsetzten Familien.
Bellini komponierte die Oper in etwa sechs Wochen, um die Karnevalssaison des Teatro La Fenice zu retten, nachdem ein anderer Komponist abgesagt hatte. Dazu griff er auf Material aus Zaira zurück, einem Werk, das im Jahr zuvor in Parma durchgefallen war. Das Libretto von Felice Romani stützt sich nicht direkt auf Shakespeare, sondern auf die italienischen Quellen des Stoffes, vor allem auf die Novellen der Renaissance, die die Geschichte der Liebenden von Verona schon erzählten.
Die Uraufführung am 11. März 1830 war ein Erfolg. Die Partie des Romeo sang die Mezzosopranistin Giuditta Grisi, die der Giulietta die Sopranistin Maria Caradori-Allan. Das Werk zog im 19. Jahrhundert durch ganz Europa, geriet dann in Vergessenheit und kehrte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf die Bühne zurück, getragen von der Wiederentdeckung des Belcanto.
Bellinis Handschrift erkennt man an den langen, geschmeidigen Melodien von melancholischer Eleganz. Die berühmteste Nummer ist Giuliettas Romanze "Oh! quante volte", der ein schönes Hornsolo vorausgeht. Die Duette von Romeo und Giulietta, zwei ineinander verschlungene Frauenstimmen, geben dem Werk eine einzigartige Farbe: Bellini vertraut Romeos Ungestüm einem Mezzosopran an, und daraus entsteht eine Intimität, die wenige Opern erreichen.
Der zweite Akt enthält die große Szene Romeos am Grab, eine der vollendetsten des Komponisten, in der die Verzierungskunst des Belcanto ganz in den Dienst der Trauer tritt.
Wer Shakespeares Romeo und Julia kennt, entdeckt hier eine andere Fassung des Stoffes, gestraffter und von geläuterter Lyrik. Das Werk lässt zudem eine faszinierende Konvention des damaligen Theaters erleben, den von einer Frauenstimme gesungenen Helden, zu der sich heutige Produktionen ohne Umschweife bekennen und die immer wieder große vokale Momente bereithält.
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